Petry entzaubert- wahre Absichten der AFD enthüllt

Das Video verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Journalist Tim Sebastian zeigt Frauke Petry die Grenzen ihrer eigenen Ideologie auf- und bringt sie sichtbar in Verlegenheit. Was war geschehen?

Sebastian, Journalist der „Deutschen Welle“, lädt die AFD- Vorsitzende Petry zu sich ins Debattenformat „Conflict-Zone“- und bringt die Politikerin sichtbar in Verlegenheit. Beflügelt und nach den jüngsten Erfolgen bei den Landtagswahlen vor Stärke trotzend erwartet Petry eine weitere Plattform, um für ihre Ideen zu werben und die Popularität der AFD weiter zu steigern. Doch weit gefehlt: Denn sie hat ihre Rechnung ohne Tim Sebastian gemacht.

Der Moderator übergeht gekonnt die gewohnten Einstiegsfragen und konfrontiert Petry direkt mit ihren Äußerungen zum Schießbefehl an der deutschen Grenze. Sichtlich geschockt verschafft sich Petry zunächst einmal Zeit: „So habe ich das nicht gesagt“. Nachdem Sebastian ihr das gesamte Zitat vorhält, weicht Petry erneut aus- genau wie die deutschen Medien würde Sebastian das Zitat aus dem Kontext reißen und zuspitzen. Doch der Moderator führt den Zuschauern gekonnt vor, wie guter Journalismus die wahren Implikationen einer politischen Aussage aufdeckt. „Sie haben nicht gesagt, die Soldaten sollen in die Luft schießen, oder?“ Die AFD-Vorsitzende merkt, dass sich Sebastian nicht so einfach abspeisen lässt und verweist auf das deutsche Recht, welches ihre Aussage stützt. Doch überzeugend wirkt das nicht- denn das geschriebene Recht kann immer nur die schwächste Rechtfertigung und Legitimation für gesellschaftliches Zusammenleben sein.

„Grenzsoldaten haben die Pflicht, illegale Grenzübertritte zu verhindern und notfalls auch von Schusswaffen Gebrauch zu machen“

Petry fühlt sich falsch zitiert und betont, lediglich in letzter Konsequenz von den Schusswaffen Gebrauch machen zu wollen. Da sie jedoch immer wieder auf das deutsche Recht verweist, kann ihre Aussage nicht anders verstanden werden, denn: Illegale Grenzübertritte geschehen in jüngster Zeit tausendfach. Geltendes Recht in der Flüchtlingsfrage ist noch immer das längst überholte Dublin 3 – Abkommen, welches die Geflohenen verpflichtet in demjenigen Land Asyl zu beantragen, in dem sie das erste Mal europäischen Boden betreten haben. De facto wurde das geltende Recht von den europäischen Regierungschefs ausgesetzt, da es für eine Ausnahmesituation wie der jetzigen schlichtweg ungeeignet ist. Wenn Petry nun fordert, Grenzpolizisten sollten illegale Grenzübertritte notfalls mit Schusswaffen verhindern, zeugt es von realitätsferner Naivität oder Zynismus der dunkelsten Sorte, wenn sie abstreitet, dass es zu massenhaftem Blutvergießen an deutschen Grenzen kommen würde.

Zudem sei die deutsche Medienlandschaft mit ihrer sensationalistischen Berichterstattung dafür verantwortlich, dass dieses Thema ins Schlaglicht gerückt wurde. Sie versucht das Bild der bewusst falsch verstandenen Politkerin aus Dresden zu zeichnen, gegen die sich die gesamte Lügenpresse verbündet hat. „Sie sind also nicht verantwortlich für das, was sie gesagt haben?“ kontert Sebastian- und verunsichert Petry weiter.

Petry wirkt zunehmends genervt und verunsichert zugleich, da sie selbst spürt, dass ihr zweigleisiges Spiel nicht länger aufgeht: Die Massen auf Parteiveranstaltungen mit brennender Rhetorik zu radikalisieren und anzustacheln, im Scheinwerferlicht der Fernsehstudios jedoch das Bild der reinen Intellektuellen zu präsentieren, die sich an ihre eigenen Aussagen nicht mehr erinnern kann. Sie wägt sich in der Defensive, und versucht deshalb den Spieß umzudrehen: Nach einer Frage des Moderators, was sie von Bernd Luckes Aussage hält, dass nach seinem Austritt aus der Partei in der AFD überwiegend rechtsradikale, homophobe und islamophobe Menschen zurückgeblieben seien, antwortet sie erst gar nicht: Sie findet es unverschämt, dass der Moderator diese Frage stellt. Lucke würde lediglich versuchen, sein Gesicht in der Öffentlichkeit zu wahren, und hätte es einfach nicht geschafft, seine Partei in den Griff zu bekommen. Als liberaler Ökonom eine Horde rechtspopulistischer Parteimitglieder in den Griff zu bekommen, dürfte jedoch ein Vorhaben gewesen sein, welches zum Scheitern verurteilt war.

Petry dreht sich mit ihren Aussagen zunehmends im Kreis und macht aufs Neue den Moderator für ihre wenig überzeugenden Rechtfertigungen verantwortlich: Sie werde bewusst in eine bestimmte Schublade gedrängt, an den wahren Inhalten der AFD sei der Moderator gar nicht interessiert. Doch damit stellt sie sich selbst eine Falle- mit Sebastian sitzt ihr nämlich ein schlagfertiger Rhetoriker gegenüber: „Ich stelle die Fragen, die ich stellen möchte. Das zeichnet die freie Presse aus. Oder wäre es Ihnen lieber, wenn sie mir vorher ein Skript vorlegen?“

Auch beim Thema Einwanderung und Integration macht Petry keine gute Figur. Sie streitet dem Islam als solchem ab, demokratiefähig zu sein und sieht erhebliche Probleme. Zu ihrer bisherigen Strategie passend, fügt sie einen beschwichtigenden Nebensatz hinzu: Voll integrierte Muslime sind selbstverständlich ein Teil von Deutschland. Was Petry unter „vollständig integriert“ versteht, wird mit der nächsten Frage deutlicher: Sie will weder Minarette in Deutschland sehen, noch Frauen, die sich verschleiern und nach ihrer Auffassung ist es Aufgabe des Staates, das Deutschland, das wir kennen, zu bewahren. Nach dieser Logik ist ein vollständig integrierter Muslim vermutlich ein Muslim, der seinen Glauben nicht mehr sichtbar auslebt, sich den deutschen Traditionen fügt, christliche Feste feiert und Weißbier auf dem Münchner Oktoberfest trinkt.

 

Freie Bürger- keine Untertanen: Kämpferischer Ton im Parteiprogramm

Petry wirkt blass und entzaubert in diesem Interview mit Tim Sebastian, ihre Visionen für Deutschland haben sichtbar an Glanz verloren, nachdem die AFD im politischen Tagesgeschäft angekommen ist. Mit ihrem offiziellen Entwurf zum  Parteiprogramm ist nun für jedermann einsehbar, für was die AFD tatsächlich steht:

  • Leugnung des Klimawandels: CO2 ist demnach kein Schadstoff, sondern „unverzichtbarer Teil unseres Lebens“
  • In Sachen Waffenrecht zielt die AFD auf das republikanische Vorbild der Amerikaner: Ein „liberaler Staat“ müsse seinen Bürgern vertrauen, und folgt der ideologischen Auffassung von Donald Trump: „ Die Kriminalisierung von Waffenbesitz schreckt Täter nicht ab, sondern macht Opfer wehrloser.“
  • Erzkonservatives Familienbild: Es ist die entschiedene Aufgabe des Staates, das herkömmliche Familienbild zu schützen und zu fördern. Alternative Lebensformen werden abgelehnt: Insbesondere der Einfluss einer „lauten Minderheit“ auf die Kinder sei zu vermeiden. Fraglich bleibt, wie genau die vielbeschworene „Frühsexualisierung“ in Schulen konkret aussehen soll, vor der sich die AFD so fürchtet.
  • Islam: Gehört nicht zu Deutschland. Der Bau von Minaretten ist zu verbieten, die Verschleierung von Frauen ebenfalls.

 

Bereits in der Präambel wird deutlich, dass die AFD eine rückwärtsgerichtete Partei ist: Ihr auserkorenes Ziel ist es, an das Deutschland zu Zeiten des Wirtschaftswunders anzuknüpfen. Dieser Spirit des Deutschlands aus vergangenen Zeiten mit der gleichzeitigen Leugnung neuer Realitäten aus dem 21.Jahrhundert zieht sich durch das gesamte Parteiprogramm. Es gibt all den Ewiggestrigen, allen abgehängten Globalisierungsverweigerern und Heimatverbundenen ein neues Zuhause sowie die Hoffnung, das Deutschland vergangener Tage wieder auferstehen zu lassen. Abgestimmt wird über dieses Programm auf dem Bundesparteitag am 30. April.

 

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5 Kommentare zu „Petry entzaubert- wahre Absichten der AFD enthüllt

  1. Hier wird die Präambel zitiert: die AfD gibt „allen abgehängten Globalisierungsverweigerern und Heimatverbundenen ein neues Zuhause“. Ich freue mich auf das neue Zuhause, denn so fremd wie im Merkel-Deutschland habe ich mich noch nie, nicht mal in der DDR gefühlt.(Steffen Heitmann).

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  2. Warum brauchen wir diesen Journalimus Stil auch noch auf Englisch ? DW leistet sich damit keinen Dienst für objektive Berichterstattung. DW disqualifiziert sich als staatshöriges Medium, Warum lässt man Frau Petry nicht mal einen klaren Gedanken darstellen ? Habe nur das Video angesehen., den deutschen Text dazu konnte ich mir nicht mehr antun,,,

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  3. Was sagt mir das Verhalten dieses angeblichen Reporters?
    Es scheint mir jemand zu sein der es nur darauf abgesehen hat nicht nur die Frau Petry zu Difammieren, sondern ein jeden der diese Partei gewählt hat.
    So wie ich den Reporter einschätze muss das halt eine von MerkUSA bezahlte Marionette sein.
    Was bringt es wenn man die Worte verdreht die dann mal erwähnt wurden? Für mich nur ein weiteres Zeichen dafür das die Medien nur noch verlogen sind und ein jeder der sich meint Reporter zu nennen sich sein Fach noch mal zu überdenken.

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  4. Das sog. Interview ist ein Verhör, in welchem die vorab Verurteilte ruppig konfrontiert wird mit, ohne Abstimmung vorsortierten und abgelesenen, Zitaten anderer Parteimitglieder, die planvoll und zielbewusst aus dem Zusammenhang gerissen sind. Das Ziel ist, sie zu provozieren, Thesen parieren zu müssen, deren Verteidigung sie dann entlarven soll. Dabei bekommt sie kaum eine Chance, einen nachvollziebaren Zusammenhang herzustellen, da sie immer wieder im gesprochenen Satz stichwortbezogen unterbrochen wird. Der Sprachvorteil wird sehr unfair instrumentalisiert. Die vorgeschobene Liberalität der Inhalte des Befragers degeneriert durch sein offenbartes Handeln ins Gegenteil, nämlich in zu Intoleranz pervertierter politischer Korrektheit. Wenn man die Inhalte beseite lässt, die ohnehin kaum substantielle Information anbieten, allein der Ductus von Handeln, Sprechen und Mimik bringt den unvoreingenommenen und sensiblen Zuschauer auf die Seite von Frau Petry.
    Ein unwürdiger, ja primitiver Auftritt eines selbsterklärten Profis im Dienste seiner „Majestäten“.

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