Islam trifft auf den Westen: Vom Clash zur Verständigung

Über Identität und Integration

 
„Die verändern unsere Gesellschaft!“, ist eine häufige Antwort auf die aktuell heiß diskutierte Frage, welche mittel- und langfristigen Auswirkungen der momentane Flüchtlingszustrom nach Deutschland mit sich bringen könnte. Bereits aus dieser kurzen Aussage lassen sich viele Schlüsse ziehen: Die Differenzierung zwischen „denen“ und „uns“. Die Aufteilung der Gesellschaft in mindestens zwei unterschiedliche Gruppen, in die „Dazugehörigen“ und die „Anderen“. In die der Insider und Outsider. Doch was genau braucht es eigentlich, um sich zu einer der beiden Gruppen dazugehörig fühlen zu dürfen?

Eine Thematik, mit der wir uns als Gesellschaft in der nahen Zukunft intensiv auseinandersetzen sollten, um die Flüchtlinge nicht nur aufzunehmen, sondern zu integrieren. Damit dies geschehen kann, sollten wir zunächst einmal klären, was für uns im „Westen“ Identität überhaupt bedeutet und aus welchen Bestandteilen sie sich zusammensetzt. Gibt es eigentlich die eine westliche Identität? Und wenn ja, wie ist sie entstanden?
Vor allem in der heutigen Zeit wird vermehrt auf die Differenzen der islamischen und westlichen Kultur hingewiesen. Da Kultur etwas historisch Gewachsenes ist, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, um etwaige Unterschiede zwischen dem Islam und der westlichen Kultur ausfindig zu machen.

Erstes Aufkeimen von „westlicher“ Identität

Wie gelingt der Weg zur Verständigung?

Das erste Mal, dass sich so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl westlicher Völker entwickelt hat, war im 13.Jahrhundert. Der christliche Glaube war das Band einer Gemeinschaft, die sich zu damaliger Zeit von Türken, Byzantinern und Mauren eindeutig abgrenzte. Wie stark dieses Band des geteilten Glaubens verbinden kann, zeigten die im Namen Gottes ausgeführten Kreuzzüge. Auch wenn bekanntermaßen die Ausbeutung der islamischen Völker und die Bereicherung an deren Kulturgütern mehr als nur willkommene Beiprodukte waren, der Glaube an eine Religion hat es geschafft, zu immer wiederkehrenden Konflikten zwischen Islam und Christentum zu führen. Auch für viele Soziologen ist Religion der wichtigste Faktor, der Menschen zweier Kulturen voneinander unterscheidet.

 
Da sich in der heutigen Zeit jedoch nicht mehr Kreuzritter und Kämpfer des Islam gegenüberstehen, muss es ein Element innerhalb der jeweiligen Religion sein, die den Unterschied zwischen den Kulturen bildet. Betrachten wir das Beispiel von Macht und Nationalstaat. Ein wesentliches Merkmal der westlichen Kultur besteht darin, dass seit jeher geistliche von weltlicher Macht getrennt wurde. Die Kirche als Institution hat immer neben dem Staat existiert, es gab sowohl Gott als auch Kaiser, Kirche und Staat als Koexistenz. Im Islam hat der Nationalstaat historisch gesehen nie eine solche Bedeutung wie im Westen entfaltet, da die Souveränität Allahs und der ummah (die Gesamtheit aller Gläubigen) nicht ohne Weiteres mit dem souveränen Nationalstaat vereinbar sind.

Im Westen hingegen hat der stetige Konflikt um die Ausbalancierung der Macht zwischen Kirche und Staat zu einer individuellen Freiheit der Gesellschaft geführt, die vor allem auf der Teilung der Herrschaft beruht. Weder der Staat noch die Kirche konnten mit ihrem Absolutheitsanspruch eine Gesellschaft nach ihren Vorstellungen formen. Anders im Islam. Der Koran und die Scharia sind bis heute die Rechtsgrundlage in nahezu allen islamischen Gesellschaften, dadurch werden diese Schriften in einem Maße sozial verbindlich, wie es die Bibel im Westen niemals war. Diese Erkenntnis erklärt den westlichen Fortschrittsglauben und den arabischen Traditionalismus. Während in der westlichen Welt das Zeitalter der Aufklärung mit seinen Vorreitern Kant, Descartes und Voltaire die Bedeutung der Vernunft über die des Glaubens stellte, dominiert in der islamischen Welt noch immer der Absolutheitsanspruch und die Gültigkeit der heiligen Schrift. Hier prallen zwei Weltanschauungen aufeinander, die in ihren Fundamenten, in ihrer Basis kaum unterschiedlicher sein könnten.
 
Ein weiterer Grund für die unterschiedliche Stellung und Akzeptanz des Nationalstaates in westlichen und arabischen Ländern lässt sich darauf zurückführen, dass viele arabische Staaten das „zufällige“ Produkt des europäischen Imperialismus sind. Grenzen wurden von den Kolonialherren oftmals willkürlich gezogen, sodass Bevölkerungsstämme und Ethnien plötzlich zusammen eine Gemeinschaft bilden sollten, die vorher in dieser Form nie existiert haben.
Welch großen Stellenwert in den arabischen Ländern die Glaubensgemeinschaft hat und welch geringe Bedeutung die Nationalstaaten, zeigt sich an der Konfliktstatistik. So gab es seit dem zweiten Weltkrieg nur zwei bewaffnete Auseinandersetzung zwischen arabischen Staaten, jedoch unzählige zwischen verschiedenen islamischen Glaubensgemeinschaften.
 

Clash of civilizations?

 
Für Samuel Huntington, einem amerikanischen Politikwissenschaftler, führt diese Entwicklung zum „clash of civilizations“, zum Kampf der Kulturen.
Jedoch muss man nicht so eindeutig Stellung beziehen wie Huntington, um zu erkennen, dass sich im Westen ein Individualitätsgefühl herausgebildet hat, das sich in der Stärkung individueller Rechte und Freiheiten verfestigt hat. Die Gleichstellung von Mann und Frau, sowie der Schutz und die Akzeptanz von Minderheiten seien hier als Beispiele genannt, wobei unstrittig ist, dass selbst im „freien“ Westen in vielen Bereichen noch Nachholbedarf besteht.

Im Gegensatz zum Individualitätsgefühl des Westens hat sich in den arabischen Ländern ein Kollektivgefühl ausgebildet, die Zugehörigkeit zur ummah, zur Gemeinschaft aller Gläubigen. Für eine erfolgreiche Verständigung beider Kulturen in der Zukunft bedarf es einer „step-forward“ Mentalität beider Seiten. Konkret bedeutet dies ein Verständnis für das Kollektivbedürfnis der Muslime, sowie die Achtung und Verinnerlichung des Rechtsstaates -der in der westlichen Hemisphäre über der Religion steht- von Seiten der arabischen Bevölkerung. Integration kann nur gelingen, wenn beide Kulturkreise Abstriche machen und sich von der universellen Richtigkeit ihres Selbstbildes verabschieden.
 
Auf was für einem wackeligen Gerüst das westliche Selbstverständnis steht, die eigene Kultur sei mit ihrer Freiheit und Individualität die fortschrittlichste aller Kulturen, zeigt eine Studie von Geert Hofstede. In seiner interkulturellen Studie fand er heraus, dass „die Werte, die im Westen am wichtigsten sind, sind weltweit am bedeutungslosesten.“ Dieser kritische Blickwinkel auf das eigene Selbstverständnis ermöglicht einen offeneren Umgang mit anderen Kulturen, und verbietet die Wertung und Einteilung von Kulturen in „besser“ und „schlechter“.
 
Nicht alle kulturellen Differenzen können mit der Religion erklärt werden, dennoch ist sie etwas Fundamentales: Sie prägt unsere Vorstellungen von gut und böse, von gerecht und ungerecht. Gewisse Unterschiede in den Wertvorstellungen westlicher und muslimischer Menschen lassen sich nicht leugnen. Kultur ist historisch gewachsen, jedoch nicht für immer unantastbar. Vielleicht befinden wir uns momentan an einer Schnittstelle von westlicher und islamischer Kultur. Die Frage ist nicht, ob der Islam „verwestlicht“ oder der Westen „islamisiert“ wird. Nein, die Frage ist vielmehr, wie eine Schnittstelle zwischen diesen beiden Kulturen entstehen kann. Gemeinsam geteilte Werte und Vorstellungen etabliert werden können. Wir stehen am Anfang eines Prozesses, der die neuen Regeln des Zusammenlebens unserer Kulturen austangieren kann, denn eine gemeinsame Identität ist nicht Voraussetzung, sondern die Folge von Integration. Welche Chancen kann eine erfolgreiche Verständigung dieser Kulturen doch hervorbringen! Man möchte all den „Bewahrern“ der Heimat und den besorgten Bürgern zurufen: Willkommen im 21. Jahrhundert!

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Höcke bei Jauch:Salonfähige Fremdenfeindlichkeit?

Höcke spaltet Deutschland

Medialer Aufschrei. Hashtag Höcke. Deutschland gespalten. Darf der das wirklich?! Diese Frage hat sich nicht nur am vergangenen Sonntag viral in den sozialen Medien verbreitet. Noch immer wird diskutiert: Darf der das wirklich?

Ich fasse noch einmal kurz zusammen, was vergangenen Sonntag um 20:15 in der ARD bei Jauch vor sich gegangen ist: Das Thema „Pöbeln, hetzen, drohen – wird der Hass gesellschaftsfähig?“ hat Moderator Günther Jauch vor dem Hintergrund der Messerattacke auf die neu gewählte Kölner Oberbürgermeisterin zum Anlass genommen, über Fremdenfeindlichkeit zu diskutieren. Diskutiert haben  Bundesjustizminister Maas von der SPD, der thüringische Fraktionsvorsitzende der AFD Björn Höcke sowie Journalistin Anja Reschke und der saarländische Ministerpräsident Klaus Bouillon von der CDU.

Was war nun passiert?

 

Der ehemalige Gymnasiallehrer und Oberstudienrat Höcke von der AFD bekommt zum ersten Mal das Wort in der Sendung und möchte ein Bekenntnis ablegen, bevor er die ihm gestellte Frage beantwortet. Kunstpause. Er holt tief Luft. „Ich bin aus einer tiefen Liebe, zu meinem Land in die Politik gegangen und aus einer großen Sorge, um die Zukunft meines Landes.“

 

Um dem Gesagten noch mehr Ausdruck zu verleihen, zückt er gekonnt das „zentrale Symbol seines Landes“ aus seiner Jacketttasche , die Deutschlandfahne, und legt sie für alle Zuschauer sichtbar über seine Armlehne. Betretenes Schweigen der anderen Gäste. Höcke will zeigen, dass es die AFD ist, „die mit der Stimme des Volkes spricht“.

 

Höcke platziert eine Deutschlandfahne auf seiner Armlehne
Diese Geste soll der Anfang eines Abends sein, an dem die AFD ihr wahres Gesicht zeigt und viele Zuschauer ungläubig zurücklässt.
Auffällig ist zunächst die pathetische Rhethorik, mit der Höcke nicht nur polarisieren, sondern spalten möchte. Er gibt vor, dass es ein „Volk“ gibt, das diese Liebe und diese Sorge um „sein Deutschland“ teilt. Die AFD inszeniert sich als Sprachrohr der schweigenden Mehrheit, als Retter vor dem Feindbild der „Altparteien“ und als Bewahrer eines Deutschlands, das „über Jahre hinweg gut funktioniert hat“. 

 

Hier stellt sich die Frage: Herr Höcke, wovor wollen sie uns denn bewahren? In welches „Chaos“ wollen uns die Altparteien hineinstürzen?

 

Natürlich hat ein Führungsmitglied der AFD darauf konkrete Antworten. Angst schürt sich durch die Etablierung von Feindbildern. Und von denen hat Höcke so einige parat.

 

Besonders deutlich wird Höcke auf seinen selbst organisierten Demonstrationen, die jeden Mittwoch in Erfurt stattfinden. Jauch zeigt über diese Demonstrationen einen Kurzfilm, um den AFD´ler Höcke mal außerhalb des TV-Studios zu erleben. Wer denkt, die Rhetorik in der Livesendung ist bereits an Pathos und Nationalismus nicht mehr zu überbieten, der irrt leider gewaltig.

Um „sein Volk“ in Erfurt zunächst einmal in Stimmung zu bringen, bedient sich Höcke dem bereits bei Pegida beliebten Slogan „Wir sind das Volk!“. Von einer kleinen Rednerbühne aus erklärt er seinen ca. 8.000 Zuhörern, wovor sie sich künftig zu fürchten haben.

„Die noch wenigen türkischen Kinder in Erfurt. die sprechen Erfurterisch. Aber die wenigen deutschen Kinder in Berlin, die sprechen Kanaksprach, liebe Freunde!“

Gut, dass Höcke seinen Thüringern diese Botschaft überbringt, wo doch der Anteil der Ausländer in Thüringen  nur 2,3% beträgt. Er untermauert diese offen rassistische Botschaft, die in keiner Hinsicht einer Überprüfung standhält, mit den Worten: „..Erfurt ist schön, (Kunstpause) schön Deutsch!“. Und dies gelte es zu bewahren, Diesen Vaterlandspathos kombiniert mit einer angstschürenden und Feindbilder kreirenden Rhetorik nutzt Höcke für seine Inszenierung als Heilsbringer. Als jemanden, der die Altparteien durchblickt hat, die „alles aufs Spiel setzen“. Als einen Bewahrer des Ist-Zustandes, weit über herkömmlich konservative Dimensionen hinaus. Das, was Björn Höcke im Namen der AFD betreibt, ist offener Rassismus und Volkshetzerei.

Aber in Berlin wird nicht nur in Kanacksprach gesprochen. Wir verlieren sogar unsere Heimat (!), denn vergessen wir nicht:“ Der Syrer, der nach Deutschland kommt, der hat noch sein Syrien. Der Afghane, der zu uns kommt, der hat noch sein Afghanistan. Und der Senegalese, der hat noch seinen Senegal. Wenn wir unser Deutschland verloren haben, dann haben wir keine Heimat mehr!“.

Nein Herr Höcke. Der Syrer hat kein Syrien mehr. Syrien ist ein Schlachtfeld, das partiell von einer Terrororganisation beherrscht wird. Nein Herr Höcke, der Afghane hat kein Afghanistan mehr, nachdem die ISAF Truppen ein Land im Chaos sich selbst überlassen haben. Und nein Herr Höcke, auch der Senegalese hat „seinen Senegal“ nicht mehr, weil die vorherrschenden Strukturen nicht einmal „staatlich“ genannt werden können.

Dass die vorherrschende Flüchtlingskrise uns vor eine gewaltige Aufgabe stellt, ist unumstritten. Jedoch sind rhetorische Brandstifter wie Björn Höcke, die einzig und allein darauf aus sind, die Nation zu spalten und längst verschollen geglaubte Feindbilder wieder hervorzuholen, das letzte was wir brauchen können.
Herr Höcke, nicht vor den Flüchtlingen sollten wir uns fürchten, sondern vor Ihnen und Ihren Unterstützern!
Wer nach dem vergangenen Wochenende noch anzweifelt, dass sich die AFD zu einer rechtspopulistischen Partei entwickelt hat, sollte sich vielleicht nächsten Mittwoch einmal zu den besorgten Bürgern auf der Demonstration in Erfurt begeben.

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